Home
Links
Recht + Forum
Neuigkeiten
Betriebsrat
Gewerkschaft
Freizeit
Projekte
Gästebuch

Chronologie der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz

Schnick-Schnack

Chronologie Allianz/Dresdner

Stand: 01.11.2010

Allianz-Versicherung übernimmt Dresdner Bank

Übernahme perfekt, 96,4% der Aktien der Dresdner Bank an Allianz, 19. Juli 2001

Pressekonferenz Allianz, 31. Mai 2001

Start der Zusammenarbeit am 7. August 2001

Zwischenbericht 3. November 2001

Ein Jahr nach der Übernahme - Juli 2002

Bilanzpressekonferenz, 20. März 2003

Pressekonferenz vom 14. August 2003

Sozialplan, 19. Dezember 2003

Betriebsratswahl, 6. Juli 2004

Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, 1. September 2008

Hier werde ich in Zukunft alle für die Beschäftigten relevanten Schritte aus Sicht der Arbeitnehmervertretung dokumentieren. Ziel ist es, im Laufe der Zeit festzustellen, inwieweit die diversen Ankündigungen und Versprechungen der Realität entsprechen, vor allem, wie negative Auswirkungen auf Arbeitnehmer ausbleiben. Es geht mir nicht um eine ausführliche Berichterstattung, sondern um den Vergleich von Realität und Ankündigungen in diesem Prozess.

31. März 2001: erste, aber schon sehr feste Gerüchte von einer bevorstehenden Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz AG

1. April 2001 Bestätigung der Gerüchte durch die Vorstände, in den Folgetagen Sitzungen der Aufsichtsräte, wo grünes Licht für die Übernahme gegeben wird. Angekündigt wird eine Übernahme, bei der die Selbständigkeit der Bank weitgehend erhalten bleiben soll. Arbeitsplätze sollen durch die Übernahme nicht verloren gehen.

3. April 2001 Arbeitnehmervertreter sprechen die Hoffnung aus, daß die Bank von den bereits beschlossenen Filialschließungen Abstand nehmen könnte. Dies wird vom Vorstand umgehend zurückgewiesen. Das Personalabbauprogramm, nach dem 5000 Stellen gestrichen und 300 Zweigstellen geschlossen werden sollen, wird aufrecht erhalten.

5. April 2001 Bilanzpressekonferenz der Dresdner Bank. Es wird verkündet, daß die Investmentsparte der Bank, Dresdner Kleinwort Wasserstein, rechtlich verselbständigt werden soll und in 2 bis 3 Jahren an die Börse gehen soll. Das Asset-Management Geschäft soll ebenfalls in einer gemeinsamen selbständigen Tochtergesellschaft betrieben werden. Erstmals ist die Rede davon, daß in der Zentrale Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm für dieses Jahr wird gestrichen (weil demnächst der Umtausch der Dresdner-Bank in Allianz Aktien erfolgt), dafür soll ein anderes Programm aufgesetzt werden.

11. Mai 2001 Hauptversammlung der Dresdner Bank in der Jahrhunderthalle in Hoechst. Die Veranstaltung genießt in diesem Jahr einen hohen öffentlichen Aufmerksamkeitsgrad. Auch der Vorstandsvorsitzende der Allianz (zugleich Aufsichtsratsmitglied bei der Dresdner Bank) ist anwesend. Aber er nimmt keine Stellung. Die Kritik der Aktionäre an der geplanten Übernahme der Dresdner Bank durch die Aktionäre hält sich in Grenzen. Im wesentlichen wird eingefordert, daß das Übernahmeangebot finanziell noch verbessert werden soll.

In der Zwischenzeit hat der Vorstandssprecher der Dresdner Bank ein Effizienzprogramm verkündet. Dies besteht jedoch lediglich aus der Aufforderung an die neu gebildeten Unternehmensbereiche, über Potenziale zur Effizienzsteigerung und zur Kosteneinsparung nachzudenken. Einziges konkretes Ziel ist die Forderung nach einer RoI (Return on Invest) von 15%. Darüber wird nicht diskutiert. Außerdem haben inzwischen die Integrationsausschüsse zwischen Allianz und Dresdner ihre Arbeit aufgenommen. Auch zwischen den Arbeitnehmergremien ist ein solcher Ausschuss gebildet worden. Die konkreten Auswirkungen der Übernahme sind weiterhin noch nicht zu erkennen, zunächst aber muss diese vollzogen werden. Ein entsprechendes Angebot der Allianz an die Aktionäre der Dresdner Bank soll am 31. Mai erfolgen, außerdem steht die Aktion noch unter dem Vorbehalt der europäischen Kartellbehörden. Es wird vor allem erwartet, dass es Auswirkungen und Veränderung im Bereich der Investmentbank, des Transaction Banking und in der Zentrale kommen wird.

nach oben

31. Mai 2001 Tag der Pressekonferenz der Allianz zur Übernahme der Dresdner Bank. Gemeinsam traten der Vorstandssprecher der Allianz, Herr Schulte-Noelle, und der Sprecher der Dresdner Bank, Prof. Fahrholz vor die Presse, um den angestrebten Deal näher vorzustellen. Die Situation stellt sich also wie folgt dar:

Die Allianz bietet allen Dresdner Bank-Aktionären an, für je 10 Dresdner Bank Aktien eine Allianz-Aktie und 200 Euro in bar zu zahlen. Unter der Voraussetzung, dass dieses Angebot von einer ausreichenden Zahl von Aktionären angenommen wird, kann die Integration der Dresdner Bank in den Allianz-Konzern erfolgen. Auf diesem Weg sind inzwischen eine Reihe von Schritten unternommen worden. Über 20 Integrationsteams haben ihre Vorarbeiten, Untersuchungen und Bestandsaufnahmen begonnen und bereits konkrete Konzepte für die Zukunft erarbeitet. Bisher zeichnet sich ab, dass in den Geschäftsstellen der Dresdner Bank jeweils Berater der Allianz platziert werden, um dort direkt Versicherungsprodukte zu verkaufen. Andererseits sollen in den Allianz-Agenturen in Zukunft auch einfache Bankprodukte angeboten werden. Insgesamt soll vor allem durch das geplante Cross-Selling der Umsatz erhöht werden (durch Austausch der Kundendaten und Abschöpfen der Erträge aus dem zusätzlichen Rentenversicherungsgeschäft.).

Vor einer völligen Neuordnung steht möglicherweise das Geschäft verschiedener Tochtergesellschaften. So ist für das Bauspargeschäft der Hauptstandort Bad Vilbel genannt worden, wo bekanntlich die Bauspartochter der Dresdner Bank ihren Sitz hat. Auch im IT-Sektor will man sehr eng zusammen arbeiten.Zahlenmäßig wurde am 31. Mai 2001 folgendes Szenario eröffnet: aufgrund von Ertragsmöglichkeiten sollen 3000 Arbeitsplätze neu geschaffen werden, wogegen 600 Arbeitsplätze durch Synergien (Rationalisierung, Zusammenlegung von Funktionen) abgebaut werden sollen. Im Verhältnis zu den weltweit 120000 Beschäftigten des neuen Großkonzerns und der regelmäßigen Fluktuationsrate hört sich das eher unbedeutend an. Dennoch stehen die Beschäftigten beider Firmen vor einer gewaltigen Aufgabe, die durchaus nicht ohne Schwierigkeiten und Reibungen bewältigt werden kann.Inwieweit die Übernahme tatsächlich sowohl für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre ein vorteilhaftes Geschäft sein wird, muss die Zukunft erweisen. Voraussetzung ist der respektvolle Umgang miteinander, die Schaffung einer neuen Firmenidentität unter weitgehender Berücksichtigung der bisherigen Unternehmenswerte. Letztendlich ist die Phantasie gefragt, Nachteile für einzelne Beschäftigte durch geeignete Maßnahmen auszuschließen.Hier ist in erster Linie jede Form von Aus- und Weiterbildung gefragt, die helfen kann individuelle Probleme zu lösen. Der Grundsatz muss lauten: die Arbeit muss zu den Menschen gebracht werden, nicht die Menschen müssen der Arbeit hiterher reisen.

nach oben

19. Juli 2001, die Allianz hat gestern bekannt gegeben, dass sie nunmehr 96,4% der Aktien der Dresdner Bank hält. Die Aktionäre der Bank hatten das Angebot damit fast komplett akzeptiert. Nachdem am heutigen Tag auch die EU-Kommission grünes Licht für die Übernahme gegeben hat, steht dem neuen Finanzgiganten nichts mehr im Wege. Ebenfalls heute fand sich in der Frankfurter Rundschau ein Interview mit dem Betriebsratsvorsitzenden der Frankfurter Allianz, der die Aussichten für die Beschäftigten näher beleuchtete. Nach Rolf Zimmermanns Aussage wird sich am Frankfurter Arbeitsmarkt durch die Übernahme nicht viel ändern. Zwar werde es Änderungen bei Arbeitsplätzen in den Konzernzentralen geben, auch die Zusammenarbeit auf anderen Gebieten werde Verschiebungen mit sich bringen, insgesamt rechnet er jedoch mit einem Nullsummenspiel, was die Arbeitsplätze betrifft. Aus Sicht der Dresdner Bank Beschäftigten haben eine Vielzahl von Veränderungen bereits begonnen. Die Divisionalisierung der einzelnen Bereiche war durchaus schon auf die Übernahme hin geplant und macht den Allianz-Konzern insgesamt wesentlich flexibler. So sollen die Aktivitäten der Bausparkassen zusammen gelegt werden, auch auf dem Gebiet der Fondsverwaltung wird es gemeinsame Aktivitäten geben, die Allianz wird den Vertriebskanal Dresdner Bank ab sofort direkt nutzen können. Die zukünftige Rolle der Investmentbank scheint dagegen eher ungewiss.Die Identität der Dresdner Bank scheint mir auf lange Sicht nicht so klar zu sein, wie sie derzeit von allen Beteiligten verkündet wird. Klar ist jedoch, dass die Allianz sich mit dem Deal die besten Voraussetzungen geschaffen hat, in den nächsten Jahren vom neu geschaffenen Markt private Rentenvorsorge erheblich abzuschöpfen. Dazu werden auf jeden Fall entsprechend viele und gut ausgebildete Mitarbeiter gebraucht.

7. August 2001 Jetzt ist es also amtlich: die Dresdner Bank ist durch die Allianz Versicherung übernommen worden. In einem symbolischen Festakt wurden in Frankfurt, Stuttgart und München die Mitarbeiter beider Firmen auf das neue Wir-Gefühl in der “Allianz-Familie” eingeschworen. Es war eine aufwändige, durchaus leichte und nicht ganz billige Feier (Motto unter anderem “Käfer statt Kantine”), bei der die neue Gemeinsamkeit beschworen wurde. In Frankfurt zumindest konnte man viele wehmütige und kritische Stimmen vernehmen. Es über wog die Haltung: es hätte schlimmer kommen können, nämlich die Übernahme durch die Deutsche Bank. Aber schon jetzt steht fest, daß es in den nächsten Jahren mehr Änderungen geben wird, als bisher überschaubar sind. Dabei wird auch die Frage des Arbeitsplatzerhalts immer wieder eine Rolle spielen. Sicher braucht dieser Prozess eine gewisse Zeitdauer, aber der Allianz Vorstand hat deutlich gemacht worauf es ihm ankommt, Speed, Speed, Speed. So kommt es nicht von ungefähr, daß die Integrationsteams für ihre Arbeit “Tag und Nacht” überschwänglich gelobt wurden. Dies heißt doch nichts anderes, als daß gearbeitet wurde ohne Rücksicht auf Familien und Gesundheit, ohne Rücksicht auf die geltenden Gesetze (z.B. das Arbeitszeitgesetz). Hier sind in den kommenden Monaten die Betriebsräte und die Gewerkschaft ver.di gefordert. Und die Kollegen, sich jetzt endlich zusammen zu schließen. Wenn wir auf dieses Prozess Einfluss nehmen wollen, wenn wir wollen, daß neben der Geschwindigkeit auch die Vereinbarkeit mit den Interessen der Beschäftigten nicht zu kurz kommt. Dies ist glaube ich nötig, auch und gerade wenn diese Übernahme für alle Beteiligten, auch die Beschäftigten, ein Erfolgsmodell werden soll.

Bei der Feier wurde die Parole ausgegeben: Doppelt gut voran! Ich kann nur hinzufügen

 Gemeinsam sind wir stark

                           

3. November 2001 Dies ist ein allgemeines Update, weniger bezogen auf konkrete Ereignisse. Aber im Zusammenhang mit der Übernahme ist die eine oder andere Entwicklung schon wichtig, die ich hier zumindest festhalten will.

Der Zusammenschluß der Hypothekentöchter der Großbanken Deutsche, Dresdner und Commerzbank scheint unmittelbar bevorzustehen. Die offizielle Mitteilung ist für nächste Woche in der gesamten Wirtschaftspresse angekündigt. Der Vorgang ist auch deshalb so bemerkenswert, weil seit Wochen über diese Pläne spekuliert, berichtet, auch mal wieder dementiert wird. Warten wir mal ab, was nächste Woche passiert. Und was das für die Beschäftigten bedeutet. Wieviele Arbeitsplätze wird das kosten? Und das ist auch ein weiteres Hauptthema: Arbeitsplatzvernichtung ! In der vergangenen Woche wurden von allen Großbanken aufgrund der jeweiligen aktuellen Zahlen ein massiver Personalabbau angekündigt: bei der Deutschen Bank 10.000, bei der Dresdner Bank 7.800, bei der Hypovereinsbank über 9.000, bei der Commerzbank 3.400, und ich nehme an, die Liste läßt sich fortsetzen. Dabei gibt es bei all diesen Banken einerseits Mitarbeiter, die Arbeiten bis zum Umfallen, Überstunden ohne Ende leisten und in ihren Abteilungen weitere Kollegen bräuchten. Aber da kommt der Rotstift, die Ansage von Rendite-Erwartungen über 15% und ein durchgängiger Druck von oben nach unten. Ich frage mich wie lange die Beschäftigten das noch hinnehmen. Ich glaube, daß die gesamte Problematik nur zu lösen ist, wenn die Banken (und ich meine speziell natürlich die Dresdner Bank) endlich mit sinnvollen Qualifizierungsprogrammen beginnt und statt Arbeitsplatzabbau Beschäftigungsgarantien ausspricht. Wenn die Angst der Hauptmotivator der Beschäftigten ist, wird es eine dauerhafte gute Ertragslage nicht geben können, ganz einfach weil bei einem vergifteten Klima keine sinnvolle Leistung erbracht werden kann. Dieses Thema werde ich verstärkt zu bewegen versuchen, Unterstützung ist immer willkommen, am besten auch durch die Organisation in ver.di.

Juli 2002: Längere Zeit habe ich die Berichterstattung ruhen lassen, aber nun, ein Jahr nach der spektakulären Übernahme, ist es wieder einmal an der Zeit über die Veränderungen und ihre Folgen aus Arbeitnehmersicht zu berichten. Anmerkung: alles was ich hier berichte ist aus öffentlich zugänglichen Quellen, der Wirtschafts- und der Lokalpresse zu entnehmen. Ich beschäftige mich hier ausdrücklich nicht mit den wirtschaftlichen Auswirkungen, sondern den Wirkungen auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sowie deren Vertreter.

Die Bausparkassen von Allianz und Dresdner Bank werden zusammengelegt. Die Zentrale befindet sich seitdem in Bad Vilbel, Sitz der bisherigen Dresdner Bauspar. Die Arbeitnehmer der Allianz Bauspar in München bekommen, soweit sie nicht mit nach Bad Vilbel umgezogen sind, Ersatzarbeitsplätze im Allianz-Konzern angeboten.

Die verbliebenen Aktionäre der Dresdner Bank werden im sogenannten Squeeze-Out Verfahren von der Allianz abgefunden. Die Dresdner Bank befindet sich seit 1. Juli 2002 im 100%igen Besitz der Allianz.

Die Deutsche Hypothekenbank (Tochter der Dresdner Bank) wird mit den Hypo-Banken von Deutscher und Commerzbank zur Eurohypo verschmolzen. Erhebliche Arbeitsplatzverluste.

Das gesamte Geschäft der Vermögensverwaltung wird direkt beim Allianz-Konzern angebunden. Verschiebungen von Arbeitsplätzen z.B. nach München sind die Folge.

Im Juli 2002 kündigt der Vorstand nach dem Kostensenkungsprogramm von 2000, mit dem 7.800 Arbeitsplätze eingespart werden sollten, werden weitere Kostensenkungen angekündigt. Auch jetzt sollen bis zu 3.000 Arbeitsplätze vom Rotstift bedroht sein. Das gerade erst aufgrund einer neuen Struktur gebildete Corporate Center (Zentrale) soll auf die beiden Unternehmensbereiche Corporates & Markets sowie Private & Geschäftskunden und das Allianz Group Center aufgeteilt werden.

Angekündigt ist eine Ausgliederung des Zahlungsverkehrs aus dem Transaction Banking in eine gemeinsame Gesellschaft mit der ETB der Deutschen Bank. Auch über gemeinsame Aktivitäten im Wertpapiersektor wird weiter gesprochen, es ist auch hier mit einer gemeinsamen Gesellschaft zu rechnen. Die Anzahl Arbeitsplätze, die hier verloren gehen wird ist noch nicht bekannt.

Aus meiner Sicht erfordern alle Maßnahmen, die jetzt aktuell angekündigt sind, das aktive und gemeinsame Handeln aller betroffenen Arbeitnehmer und ihrer Betriebsräte. Es darf nicht weiter an der Abwärtsspirale gedreht werden. Betriebsvereinbarungen und Programme zur Sicherung der Beschäftigungsverhältnisse unter Ausnutzung aller Möglichkeiten des Manteltarifvertrages Banken sind unumgänglich,

nach oben

20. März 2003, Bilanzpressekonferenz der Allianz: Der Tag wird in die Firmengeschichte eingehen. Schon vorher war bekannt geworden, dass die Allianz erstmals ein Geschäftsjahr mit Verlust abschließen wird. Klar war zu diesem Zeitpunkt, dass der Vorstandsvorsitzende Henning Schulte-Noelle mit der Hauptversammlung im Mai 2003 sein Amt an Thonas Diekmann abgeben würde. Heute wurde aber auch bekannt gegeben, dass der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, von seinem Amt zurücktritt. Neuer Chef der Dresdner Bank wird der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank 24, Herbert Walter. Es bleibt das Bekenntnis zur Dresdner Bank, aber es wird ein weiteres Sparprogramm verkündet. Diesmal sind es zusätzlich 250 Millionen Euro, die im Jahr 2003 eingespart werden sollen, außerdem heißt es, dass in bezug auf die Investment-Bank alle Optionen offen seien.

Im Laufe des vergangenen Jahres ist die Unsicherheit in der Belegschaft gewachsen, was die Zukunftssicherheit der Arbeitsplätze in der Dresdner Bank angeht. Neben vielen externen Faktoren, dem Weltgeschehen, den Naturkatastrophen und den abwärts tendierenden Aktienmärkten gibt es hierfür auch eine Reihe interner Ursachen. Die Beschäftigten setzen auch weiterhin darauf, dass die Dresdner Bank ihnen Lohn und Brot sichert. Wie dies allerdings in Zukunft aussehen soll wird zunehmend undeutlicher.

Fortsetzung folgt.

nach oben

14. August 2003, Pressekonferenz von Allianz und Dresdner Bank:  fast ein halbes Jahr sind seit der Pressekonferenz im März vergangen, bis der neue Vorstandsvorsitzende, Herbert Walter, die weiteren Pläne für die Dresdner Bank bekannt gibt. Zwar kann er einen kleinen operativen Gewinn verkünden und die weitgehende Umsetzung des bisherigen Personalabbaus. Eine Ausrichtung auf die Zukunft soll es sein, der Kunde soll im Zentrum stehen. Teil der Ankündigung ist es, dass in den Service- und Support-Bereichen weltweit weitere 4700 Stellen abgebaut werden sollen. So sollen bis 2005 eine weitere Milliarde Euro eingespart werden. Alle erwarten, dass ein Großteil der Maßnahmen in Frankfurt stattfinden wird, aber Einzelheiten werden nicht bekannt gegeben. All diese Planungen sind unter Einschaltung eines Heeres von externen Unternehmensberatern gemacht worden (so etwas gibt es nicht zum Nulltarif), inzwischen sind auch eine Reihe weiterer Führungskräfte eingestellt (!!!) worden, auch die sind nicht billig. Was die Auswirkungen konkret auf die einzelnen Betriebe in Frankfurt und deren Beschäftigte sind steht noch nicht fest, aber es wird immer schwieriger Kollegen zu finden, die freiwillig ihren Arbeitsplatz aufgeben und/oder die Altersinstrumente nutzen. Die Sorgen um die Beschäftigung werden in Frankfurt immer heftiger, es ist an der Zeit darüber zu diskutieren, was wir dem außer einem Sozialplan entgegensetzen können. Ichstelle hier die Frage ob diejenigen, die hier wegrationalisiert werden, sich mal gemeinsam am Jürgen-Ponto-Platz einfinden????

nach oben

19. Dezember 2003, Sozialplan für die Operation “Neue Dresdner” verkündet. Rechtzeitig zu Weihnachten 2003 werden die Ankündigungen des Vorstands vom 14. August umgesetzt. In langen Verhandlungen wird ein Sozialplan unter Dach und Fach gebracht, der weitere Rückstellungen für “Restrukturierungsmaßnahmen” in 2003 erlaubt. Mittlerweile ist auch etwas klarer, was dies für den Platz Frankfurt bedeutet. Zunächst einmal werden die derzeitigen Betriebsstrukturen wieder aufgelöst, die Divisionalisierung zurück gedreht. Dies bedeutet auch, dass zwei der vier Betriebsräte untergehen werden und faktisch der alte Betriebsrat Zentrale wieder entstehen wird. Insgesamt werden aber in Frankfurt im Laufe der nächsten zwei Jahre gut 2000 Arbeitsplätze entfallen. Ich hatte ja angekündigt, dass ich die Geschichte des Zusammenschlusses aus Arbeitnehmersicht kommentieren wollte, unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und die Beschäftigungssituation.

Es ist leider die traurige Wahrheit, dass derzeit schon fast 11.000 Stellen verloren gegangen sind. Mit der neuesten Ankündigung erfüllen sich im Prinzip die Befürchtungen, die wir Arbeitnehmer hatten, als damals die Fusion mit der Deutschen Bank verkündet wurde. Wir erinnern uns, es sollten in dem neuen Institut bis zu 16.000 Stellen gestrichen werden (und zwar aus dem vereinigten Institut). Diese Zahl ist jetzt bald erreicht, allerdings ausschließlich auf seiten der Dresdner Bank. Alle wohltönenden Worte (dies ist kein Arbeitsplatzvernichtungsprogramm, sondern eine Wachstumsgeschichte) haben sich in Luft aufgelöst. Die Stimmung im Unternehmen ist schlecht wie nie (ich kann das zumindest für den Platz Frankfurt beurteilen) und für die Personalabteilungen und die Betriebsräte sind die Fragen nach der Beendigung von Arbeitsverhältnissen und einem möglichst schonenden Übergang in die Rente mittlerweile zu beherrschenden Themen geworden. Das Jahr 2003 war schwierig, aber ich brauche keine prophetischen Gaben um vorherzusagen, dass das nächste Jahr noch schwieriger wird. Als besonders bedrückend empfinde ich zum einen, dass diesen Zug irgendwie niemand aufhalten kann, aber auch, dass unter den Beschäftigten kein erkennbarer Wille vorhanden ist, sich gegen diese Entwicklung zu wehren. So werden die Betriebsräte wohl weiterhin keine andere Wahl haben als zu versuchen, das jeweils Schlimmste zu verhindern.

nach oben

 

6. Juli 2004, Betriebsratswahl in der Zentrale. In der Zentrale wurden eine Vielzahl organisatorischer Veränderungen vorgenommen, die gesamte Divisionalisierung zurückgedreht. Es entsteht eine neue Zentrale. Noch ganz zum Schluss wird der gesamte Wertpapierservice der Zentrale zugeschlagen. Der Personalabbau wird weiter vorangetrieben, allerdings gibt es keine genauen Zahlen.Die Arbeitsplatzproblematik bestimmt die Diskussion in den Büros, die Angst um den Arbeitsplatz hat fatale Folgen im persönlichen Bereich, aber auch Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und die Funktionsfähigkeit der gesamten Bank. An der Analyse vom Dezember 2003 hat sich nichts geändert. Auch in der vormals ausgegliederten Dregis, die in der Agis aufgegangen ist geht die Angst um. Hier vollzieht sich eine Entwicklung, die immer mehr Verschiebungen weg vom Standort Frankfurt zum Standort München mit sich bringt. Ach ja, und weil da die neue Zentrale entstanden ist sind eben Betriebsratswahlen erforderlich, bereits 2 Jahre nach der letzten Wahl. Wie die ausgegangen ist finden Sie aber an anderer Stelle. Wahlausgang BR-Wahl 2004.

nach oben 

1.September 2008, Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank

Das Kapitel Allianz ist beendet. Ich schreibe das erst jetzt, im November 2010, denn die Entwicklung nach 2004 war rasant und für viele Arbeitnehmer mit vielen Ängsten besetzt. Wer hätte in der Belegschaft je gedacht, dass es mit der Dresdner Bank so weit kommen würde. Angefasst wie eine heiße Kartoffel und immer wieder fallen gelassen. Die Glaubwürdigkeit des Vorstandes ist in den Jahren zwischen 2004 und 2008 komplett unter die Räder gekommen, ein Personalabbau- Optimierungs- oder Schlankheitsprogramm jagte das nächste. Zum Schluss wurde noch ein Sozialplan und Interessenausgleich ausgehandelt, der gar nicht angewendet wurde (das Schreiben zu dieser Aufteilung der Bank befindet sich noch in meinen Unterlagen). Nach meiner Einschätzung war diese Zeit mit den zahlreichsten und heftigsten inneren Kündigungen verbunden. Ein Wechselbad der Gefühle für alle, die von den einzelnen Maßnahmen betroffen waren. Die Betriebsräte waren im wesentlichen mit der Beratung der diversen Vereinbarungen und parallel mit der Beratung der davon betroffenen Kolleginnen und Kollegen beschäftigt. Die damalige Hektik ist mir nur noch vage in Erinnerung, immer häufiger kam es zu stillen Verweigerungen, Verzögerungen, Störungen im Ablauf. Und ständig ging es bergauf. Der Widerspruch zwischen immer dicker werdenden Strategiepapieren und der nackten wirtschaftlichen Realität wurde permanent größer und augenfälliger. Zum Ende wurde gar darüber diskutiert, dass die Dresdner Bank von der Allianz an eine chinesische Bank verkauft werden könnte. Und es wurde ernsthaft darüber diskutiert, ob das nicht vielleicht sogar das Beste sei.

Die Dresdner Bank befand sich zu dieser Zeit tatsächlich im Auge des Hurrikans, der da hieß “internationale Finanzmarktkrise”. Von daher war am Ende die Übernahme durch die Commerzbank ein zwangsläufiges Ergebnis, denn es gab kein zurück mehr von diesem Weg. Dass am Ende der Staat mehr als ein Viertel der Commerzbank übernehmen musste und milliardenschwere Garantien geben musste ist dabei mehr als ein Schönheitsfehler. Dies hat die Landschaft der großen Privatbanken gründlich durcheinander geschüttelt. Es wundert mich auch nicht, dass aktuell die Deutsche Bank eine komplette Übernahme der Postbank anstrebt. Dies wird in absehbarer Zukunft noch erhebliche Auswirkungen auf das Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in diesem Bereich der Privatbanken haben, so wie es auch die Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank hatte. Das wirkt sich nicht nur in der konkreten betrieblichen Mitbestimmung aus, sondern indirekt auch auf die tariflichen Kräfteverhältnisse. Verdi wird sich darauf einstellen und reagieren müssen. Und ich warte noch immer darauf, dass eine größere Anzahl von Bankangestellten die Zusammenhänge begreift und die Notwendigkeit der eigenen Organisation erkennt.

Gerade in der Krise und dem laufenden Umbau des gesamten Gewerbes sind viele Kolleginnen und Kollegen negativ von den Auswirkungen betroffen. Die Debatte über den Stress und die zunehmenden psychischen Erkrankungen sind ein Teil dieser Entwicklung. Trotzdem suchen die meisten Bankbeschäftigten für sich die individuelle Lösung, sei es durch Verweigerung, Krankheit, Arbeitsplatzwechsel oder Ignorieren der Probleme. Ich kann nur feststellen, dass dies zu keiner Verbesserung führen wird. Lasst euch endlich ein auf das Angebot der Gewerkschaften, die Lage gemeinsam zu verbessern. Es geht nicht um undifferenzierten Kollektivismus, es geht um eure gemeinsamen Interessen. So: und nun Schluss mit der Predigt.

[Home] [Links] [Recht + Forum] [Neuigkeiten] [Betriebsrat] [Gewerkschaft] [Freizeit] [Projekte] [Gästebuch]