Home
Links
Recht + Forum
Neuigkeiten
Betriebsrat
Gewerkschaft
Freizeit
Projekte
Gästebuch

Warum Gewerkschaften?

Tarifpolitik

Tarifrunde Banken 2001

Tarifrunde 2002

Tarifrunde 2004

Termine

ver.di-Prozess

Tarifrunde Banken 2002

Stand: 03.11.2010

Tarifrunde Banken 2002 im Zeichen von Personalabbau und Umstrukturierungen im Bankgewerbe

Forderungen der verdi-Tarifkommission, 1. Verhandlungsrunde, 2. Verhandlungsrunde, 1. Warnstreikaktionen, 3. Verhandlungsrunde, 1. Streiks in Ffm, Sondierung und Streik, Streik geht weiter, Drohungender Arbeitgeber, August+September 2002, 4.Verhandlungsrunde, 5. Verhandlungsrunde und Tarifabschluss

Wir versuchten damals Aktionskommittees zu bilden, was aber kaum gelang.

Streikdemo 19. Juli 2002

Tarifabschluss in der 5. Verhandlungsrunde am 13. Dezember 2002

Die meisten hatten es schon gar nicht mehr für möglich gehalten: die Tarifrunde Banken 2002 ist durch einen Tarifabschluss beendet worden. Dies war sicher der mühsamste, langwierigste und sicher auch heftig diskutierteste Tarifabschluss im deutschen Bankgewerbe. Dies liegt sicher auch an der Komplexität der Regelungen, die vereinbart wurden, aber auch am schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, das von den Banken ja nicht unwesentlich beeinflusst und gestaltet wird.

In der Vorbereitung dieser Runde hatte es 3 weitere Gesprächsrunden auf Arbeitsebene gegeben, nachdem bereits in der vorigen Runde mit einem Abschluss zu rechnen war, der aber wegen der Komplexität der Themen nicht zustande kam. Auf wie wackligen Füßen dieser Abschluss auf der Arbeitgeberseite steht mag die Tatsache belegen, dass der Arbeitgeberverband der Volks- und Raiffeisenbanken sich an dieser letzten Verhandlungsrunde nicht beteiligte und der Abschluss für die 170000 Beschäftigten dieser Teilbranche nicht gilt! Hier wird verdi nicht lockerlassen um die Einheitlichkeit wieder herzustellen und die Genossenschaftsbanker, die an allen Streikaktionen aktiv beteiligt waren, nicht zu Bankern zweiter Klasse werden zu lassen.

Nachtrag: Die Genossenschaftsbanken haben Mitte 2003 den Tarfiabschluss mit einigen Modifikationen auch unterschrieben, so dass das endgültige Auseinanderbrechen der Tarifgemeinschaft in letzter Minute verhindert werden konnte. Die Konflikte für die nächsten Tarifrunden sind aber vorgezeichnet.

Nun aber zu den Inhalten des Abschlusses:

Die beiden wichtigsten Ziele der Arbeitgeberverbände in dieser Tarifrunde konnten verhindert werden. Nämlich den Einstieg in Provisionssysteme im Vertriebsbereich, bei denen bis zu 35% des Gehaltes variabel gestaltet werden sollten und die Vereinbarung einer Öffnungsklausel, die es den Betrieben in wirtschaftlichen Schwierigkeiten erlaubt hätte per Betriebsvereinbarung das 13. Gehalt streichen zu können. In beiden Fällen haben sich die massiven Proteste der Bankbeschäftigten gelohnt. Dies ist ein wichtiger Erfolg von verdi und vor diesem Hintergrund der schwierigen Ausgangslage muss der gesamte Abschluss bewertet werden.

Im materiellen Teil wurde erreicht, dass die Gehaltstabelle zum 1. Januar 2004 um 6,1% im Verhältnis zum April 2002 sich erhöht. Dies angesichts des schwierigen Umfelds und dem ständigen Hinweis auf gefährdete Arbeitsplätze durch Gehaltserhöhungen. Dieses Volumen ergibt sich im einzelnen daraus, dass die von Arbeitgeberseite einseitig vorgenommene Gehaltserhöhung um 3,1% vom Juli 2002 so in den Tarif übernommen wird. Darüber hinaus gibt es zum 1. Juli 2003 eine weitere Erhöhung um 2% und zum 1. Januar 2004 eine dritte Stufe mit der Erhöhung um 1%. Der gesamte Vertrag wird dann bis zum 31. Mai 2004 laufen. Erstmals in dieser Tarifrunde wurde ein Tarifvertrag zur Variabilisierung der Gehälter im Bankgewerbe abgeschlossen. Diese Variabilisierung soll aus der Tariferhöhung finanziert werden, und bis Mitte 2004 maximal 4% (gleich ein halbes Monatsgehalt) betragen. Als Bewertungsmaßstab dürfen ausschließlich Zielvereinbarungen oder Beurteilungssysteme zu Grunde gelegt werden. Möglich ist das Ganze nur, wenn eine entsprechende freiwillige Betriebsvereinbarung abgeschlossen wird und ein Anteil zur Finanzierung auch von Arbeitgeberseite dazugegeben wird. Insgesamt soll die Variabilisierung in der Endstufe 8% (also ein Monatsgehalt) nicht übersteigen.

Daneben wurden 11 weitere Veränderungen im Manteltarifvertrag diskutiert und zum großen Teil auch vorgenommen. Das reicht von der Anerkennung von Lebenspartnerschaften im Sinne des §16 MTV wo die besonderen Freistellungsmöglichkeiten aus privaten Anlässen geregelt sind über die Möglichkeit Gehaltsumwandlungen in riesterfähige Modelle vorzunehmen und die Verlängerung der Öffnungsklausel zur 31-Stunden-Woche mit einer erstmaligen tariflichen Zusage, dass sich die Arbeitgeber mit einem 20% igen Zuschlag (ab 1. Januar 2004) daran beteiligen werden.

Auch die Tarifverträge zum Vorruhestand (bis Ende 2004), zur Altersteilzeit (bis Ende 2006) und die testweise Vereinbarung zur Samstagsarbeit (bis Ende 2004) wurden verlängert und es soll im Frühjahr nächsten Jahres in einer besonderen Verhandlungsrunde der Versuch unternommen werden die Thematik Eingruppierungsreform doch noch einer Regelung zuzuführen.

Nach meiner Einschätzung können wir unter den gegebenen Bedingungen mit den Vereinbarungen zufrieden sein, bei aller Kritik an einzelnen Elementen. Insbesondere sollten wir versuchen, die Genossenschaftsbanken in den Tarifvertrag zurückzuholen. Insgesamt ist sehr deutlich geworden, dass wir noch viel stärker werden müssen, wenn wir auch in Zukunft erfolgreich Tarifpolitik machen wollen.

nach oben  

4. Verhandlungsrunde, 7. November 2002, Nieder-Roden

Nach langer Zeit des Stillstands ist wieder Bewegung in die Tarifrunde Banken gekommen. Nach einigen Zwischenkontakten bezüglich Lösungsmöglichkeiten für den Tarifkonflikt haben sich die Tarifparteien am 7. November erstmals wieder offiziell zusammengesetzt.

Zwar kam es am Ende einer mehr als 8-stündigen Verhandlung nur zu einer weiteren Vertagung, dennoch sind die Aussichten für eine Lösung deutlich besser geworden. Im jetzigen Verhandlungsstadium gibt es einen Reihe von Eckpunkten, die eingehalten werden sollen, wenn es zu einer Gesamtlösung kommt: es gibt die Zusicherung, dass Elemente einer variablen Vergütung ausschließlich aus Tarifzuwächsen finanziert werden sollen. Damit sind die tariflichen Leistungen mit Stand 30. April 2002 auf alle Fälle gesichert. Zum Einstieg in variable Vergütungsmodelle (die einer freiwilligen Betriebsvereinbarung auf Betriebsebene bedürfen) hatten sich beide Tarifparteien schon vor dieser Tarifrunde grundsätzlich bereit erklärt. Die von Arbeitgeberseite vorgelegten Modelle für den Vertriebsbereich waren jedoch völlig inakzeptabel, da sie einen möglichen Einschnitt in die Tarifgehälter bis zu 35% vorgesehen hatten. Dies hatte auch die beispiellose Streikbewegung des Jahres 2002 ausgelöst. Auch in eier Reihe anderer Fragen gibt es eine Annäherung, z.B. der Verlängerung von Vorruhestand und Altersteilzeit. Die Kernfrage der Tarifrunde 2002 ist jedoch ungelöst: wie soll die Gehaltsentwicklung aussehen? Die auf Empfehlung des Arbeitgeberverbandes freiwillig gezahlten 3,1% können hier nur ein Teil der Lösung darstellen.

Der Konflikt zeigt sehr deutlich, dass es trotz aller Aktionen stark an unserer gewerkschaftlichen Kraft mangelt. In den Betrieben muss jetzt die Diskussion um neue Mitglieder geführt werden. Wir sind zwar stark genug um öffentlich wirksame Aktionen zu starten, aber noch nicht stark genug um Lösungen durch Druck zu erzwingen. Meine alte These: wenn jedes verd.-Mitglied nur ein weiteres dazu gewinnt (innerhalb des nächsten Monats), haben wir unsere Organisationskraft verdoppelt. Das wäre doch schon was, oder?

nach oben

19. Oktober 2002:

Verhandlungen werden am 7. November 2002 in Frankfurt fortgesetzt. Die Streiks sind bis auf weiteres ausgesetzt. Verdi setzt auf ein Ergebnis, das den Tarifbestand sichert. Unterstützung der Beschäftigten weiterhin erforderlich. Werden Sie jetzt verdi-Mitglied.

Streik geht weiter, Drohungen der Arbeitgeber, August+September 2002

Auch am Monatsende August wurde in Frankfurt wieder für 2 Tage gestreikt. Die Aktionen waren von einer Kundenaktion in Sachsenhausen begleitet, an beiden Tagen wurde auch in Nordrhein-Westfalen und Berlin gestreikt. Die Arbeitgeber geben sich zwar nach außen sehr gelassen, aber sie haben die Tonart verschärft. Nicht von ungefähr kommen weitere Ankündigungen von Arbeitsplatzabbau und ganz aktuell die Bekanntgabe der Deutschen Bank weitere 440 Zweigstellen schließen zu wollen. Ein paar Tage vorher hat der Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Tessen von Heydebreck, öffentlich über die Möglichkeit sinniert, den Arbeitgeberverband zu verlassen, wenn die Gewerkschaften nicht gefügig sind. Er hat es deutlich gesagt: sie sollen wenigstens mit uns über eine Kürzung der garantierten Gehälter verhandeln, auch wenn es nicht im ersten Schritt die georderten 35% sind.

Am 19. September wird sich die verdi-Tarifkommission mit dieser neuen Situation befassen. Aber ich denke nicht, dass wir jetzt unseren Weg des Widerstands verlassen sollten Am Ende haben wir deutlich weniger Arbeitsplätze im Bankgewerbe und wesentlich verschlechterte Arbeitsbedingungen. Darüber müssen die Beschäftigten selbst entscheiden. Wenn zu viele weiterhin passiv außerhalb der Arbeitnehmerorganisation stehen wird dies auch sehr schwierig werden, aber unsere Kräfte werden wir auf die Verteidígung des Manteltarifvertrages richten. Achten Sie auf die örtlichen Ankündigungen. Der Arbeitskampf ist nicht zu Ende und nicht entschieden. Die Arbeitgeber sollen jetzt endlich einen Gehaltstarifvertrag unterschreiben. Manteltariffragen, auch z.B. die der Arbeitszeitverkürzung, können dann in Ruhe und ohne gegenseitigen Druck verhandelt werden. Sollte dies und eine Sicherung der Substanz nicht möglich sein, wird der Kampf weitergehen. Verdi ist dazu bereit.

nach oben

Sondierungsgespräch am 11. Juli von Streik in NRW begleitet, Streiks werden am 17. Juli in Schleswig-Holstein und am 19. Juli in Hessen fortgesetzt

Die Fronten in der Tarifauseinandersetzung des deutschen Bankgewerbes sind härter geworden. Am 11. Juli wurde auf der Führungsebene der Versuch unternommen in die verfahrenen Tarifgespräche wieder Bewegung zu bringen. Aber Vorschläge der Gewerkschaft ver.di zur Auflösung des Konflikts wurden von den Arbeitgebern als unzureichend zurückgewiesen. Sie beharren weiterhin darauf, die von ihnen geforderten Öffnungsklauseln in den Manteltarifvertrag zu schreiben. Es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Möglichkeit durch betriebliche Regelungen für die Beschäftigten im Vertrieb Vergütungsmodelle zu vereinbaren, nach denen bis zu 35% weniger Grundgehalt gezahlt würde und der Rest des bisher garantierten Grundgehalts durch Provisionen verdient werden müsste. Der Widerstand hiergegen ist in den Betrieben sehr groß, auch wenn er von den Arbeitgebern heruntergespielt wird. Viele Kolleginnen und Kollegen haben den Kern der Sache trotz aller Erklärungs- und Beschwichtigungsversuche des Arbeitgeberverbandes und auch der einzelnen Unternehmen genau erkannt. Es geht um die dauerhafte Kürzung von tariflichen Ansprüchen und einem damit verbundenen langfristigen Personalaustausch. Die Arbeitnehmer im Bankgewerbe stehen jetzt vor einer wichtigen Entscheidung: kann man mit Ihnen alles machen, verlassen sie sich auf die Weisheit der Arbeitgeber oder entscheiden sie sich für starke Gewerkschaften, die in der Lage sind solchen grundlegenden Systemwechsel in der Vergütungslogik zu verhindern und zumindest ihre bisher garantierten Gehälter weiterhin tariflich abzusichern?

Zumindest die nach mehreren zehntausend zählenden Bankangestellten, die bisher in Streiks und Demonstrationen den Arbeitgebern deutlich gezeigt haben, was sie hiervon halten, werden das Vorhaben mit allen Mitteln bekämpfen. Zuletzt waren das in Nordrhein-Westfalen mehr als 7000 Bankangestellte, denen es gelungen war in Begleitung des Sondierungsgesprächs vom 11. Juli mehrere Hundert Zweigstellen bei einem Ganztagesstreik zu schließen. Auch mehr als 500 Kolleginnen und Kollegen in Schleswif-Holstein machten dies mit ihrem Streik am 17. Juli deutlich. Dem folgten am 19. Juli 3000 Banker aus Frankfurt und ganz Hessen, die mit Demonstration und Kundgebung in der Festhalle auch in den Sommerferien weiter Druck machten. Dabei muss auch über die Defizite gesprochen werden. In der Bankenstadt Frankfurt sollten auch die Beschäftigten in den Filialen der Großbanken sich dieser Front anschließen. Sie sind am stärksten betroffen, allerdings auch bisher schon durch Zweigstellenschließungen und Personalabbau nicht gerade verwöhnt. Ich kann nur sagen: stillhalten nutzt nichts und lohnt sich nicht. In den nächsten Tagen und Wochen werden gezielt diese Kollegen, aber auch Kunden auf die Vorhaben der Bankarbeitgeber angesprochen, es sollen Aktionskomitees von Streikaktivisten gebildet werden, die neben den Streiks weitere phantasievolle Aktionsformen entwickeln werden. Auch die Presse hat mittlerweile mehr vom Kernkonflikt der diesjährigen Tarifrunde mitbekommen und darüber berichtet. Kämpfen aber, kämpfen werden wir schon selber müssen.

nach oben

Erster 2-Tages-Streik in Frankfurt am 27./28. Juni in Frankfurt

Nachdem die Tarifrunde nach dem provokativen Verhalten der Bankarbeitgeber von der Tarifkommission am 14. Juni für gescheitert erklärt wurde, begannen in Frankfurt unmittelbar danach die Urabstimmungen und die Planung der Streikaktionen. Am Donnerstag, den 27. Juni gingen mehr als 4000 Frankfurter Banker in den Streik. Vor allem Zweigstellen der Frankfurter Sparkasse, Mitarbeiter aus den Zahlungsverkehrsabteilungen von Commerzbank, der ETB (Deutsche Bank Eschborn), der Dresdner Bank, sowie viele andere Mitarbeiter aus den genannten Instituten und der SEB, KfW, der bws-Bank, der Apo-Bank und anderer kleinerer Banken waren an dem Ausstand beteiligt. Die Kollegen aus der Commerzbank hatten einen Demonstrationszug zum zentralen Streiklokal am Goetheplatz organisiert und wurden von den dort Anwesenden Streikenden herzlich empfangen. In den Redebeiträgen, immer wieder unterbrochen von fetzigem Mundart-Jazz, wurde deutlich: die Frankfurter Bankangestellten lassen sich das Tarifdiktat nicht gefallen. Wenn die Arbeitgeber nicht ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch zurückkehren, werden die Streikaktionen in Frankfurt auch im Sommer weitergehen.

Am Freitag, den 28. Juni wurden die Aktionen deutlich ausgeweitet. Nun schlossen sich auch noch die Beschäftigten der DZ-bank, der Landesbank Hessen Thüringen und der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden un der Region an. Mehr als 5000 streikende Banker drängten sich an diesem Tag auf dem Goetheplatz. Bewusst hatten die Kolleginnen und Kollegen sich diesen Ultimo-Termin für ihre Streikaktion ausgesucht. Noch einmal wurde bekräftigt: wir kommen wieder, wenn die Arbeitgeber nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Und zwar am 12. Juli, das steht schon fest. In einer gemeinsamen Demonstration zogen die Kollegen dann gegen Mittag durch das Bankenviertel. Unübersehbar das Meer der ver.di-Fahnen, unüberhörbar unsere Forderungen nach Verhandlungen ohne Vorbedingungen und das Trillern der Demonstranten. Gegen 13.00 Uhr wurde die Demonstration vor dem Frankfurter Hauptbahnhof beendet und alle konnten in ein verlängertes Wochenende gehen. Nebenbei sei bemerkt: an den beiden Tagen sind zahlreiche bisher nicht organisierte Kolleginnen und Kollegen in ver.di eingetreten. Ich denke, das ist der richtige Schritt, wenn wir diesen Kampf erfolgreich bestehen wollen. Die Arbeitgeber sollen nicht glauben, dass wir jetzt klein beigeben.

nach oben

3. Verhandlungsrunde, 13. Juni 2002 in Frankfurt

Begleitet von einer massiven Warnstreikaktion in Frankfurt fand dort die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit des Bankgewerbes statt. Am Vormittag hatten sich mehr als 2000 Frankfurter Bankangestellte vor den Türmen der Deutschen Bank versammelt und machten ihren Unmut über das provokative Verhalten der Bankarbeitgeber deutlich. Die 2000 zogen in einer eindrucksvollen Demonstration anschließend gemeinsam durchs Bankenviertel. Schon am Vortag hatten mehr als 600 Beschäftigte der Deutschen Bank in Eschborn in einem ganztägigen Warnstreik dem Verhandlungsführer gezeigt, was sie von den Vorbedingungen der Arbeitgeber halten.

Bei den Verhandlungen selbst herrschte dann eine ausgesprochen frostige Stimmung. Die Arbeitgeber kamen erst mit Verzögerung, dann beschimpften sie verdi als Wahrheitsverdreher, wo sie doch nur die besten Absichten für die Beschäftigten hätten. Sie ließen aber keine Sekunde von ihrer Vorbedingung ab und sie machten mit keinem Wort ein Gehaltsangebot. Stattdessen machten sie im dritten Durchgang die Ankündigung nunmehr den Instituten zu empfehlen “freiwillig” 3,1% zu zahlen und verordneten eine Denkpause.

Am Folgetag beschloss die Große Tarifkommission einmütig, diese Provokation der Denkpause mit Denkzetteln zu beantworten. es wurde die Urabstimmung und Streikmaßnahmen beschlossen. Eine erste große Streikaktion fand am Mittwoch, den 19. Juni 2002 in Dortmund statt. Dort versammelten sich mehr als 5000 Bankbeschäftigte aus Nordrhein-Westfalen, gemeinsam mit 1000 streikenden Bauarbeitern zu einer eindrucksvollen Streikversammlung. Die Beschäftigten im Vertrieb haben es begriffen: mehr als 200 Zweigstellen mehrerer Banken waren an diesem Tag geschlossen, eine große Zahl größerer Filialen konnten nur mit einem Notdienst betrieben werden. Auch in Kiel wurde am 19. Juni gestreikt, weitere Städte werden bald folgen. Wir fordern die Arbeitgeber auf: Verhandlungen ohne Vorbedingungen, für eine angemessene Gehaltserhöhung. Dafür werden wir weiter kämpfen.

nach oben

Erste Warnstreikaktionen im Bankgewerbe am 7. Juni 2002

Aufgrund des provokativen Arbeitgeberverhaltens mit der Forderung für Mitarbeiter im Vertrieb den Tarifvertrag in Richtung einer Provisionierung des Gehalts zu öffnen kam es am 7. Juni zu den ersten Warnstreikaktionen von Bankangestellten in dieser Tarifrunde. Beteiligt waren Kolleginnen und Kollegen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Insgesamt haben sich mehr als 5000 Kolleginnen und Kollegen an den Aktionen beteiligt. Die Warnstreiks werden in der Woche vom 10. Juni bis zum 13. Juni, dem Tag der dritten Verhandlungsrunde, fortgesetzt. Achten Sie auf die örtlichen Ankündigungen und beteiligen Sie sich an den Aktionen, wenn Sie dazu aufgerufen werden. Die Öffnungsklausel zum Vertrieb muss vom Tisch!

Frankfurt, 29. Mai 2002/ 2. Tarifverhandlungsrunde Banken

Nur einen Tag nach der zweiten Verhandlungsrunde Versicherungen tagten auch die Kommissionen im Bankgewerbe. Am Vortag hatten etwa 150 Kolleginnen und Kollegen aus dem Bank- und Versicherungsbereich eine Protestaktion unter dem Motto: “Holt die Arbeitgeber vom hohen Ross herab, wir wollen Geld und nicht zu knapp” deutlich gemacht, dass sie mit dem Verhalten “ihrer” Arbeitgeber in dieser Tarifrunde absolut nicht einverstanden sind. Und so waren die Ergebnisse in beiden Tarifbereichen bisher äußerst dürftig.

Am Ende dieses zweiten Verhandlungstages stellt sich die Lage so dar:

  • die Arbeitgeber verlangen eine Vereinbarung zur Regelung von Provisionsvergütungssystemen im Vertriebsbereich. Sie wollen maximal 1800.- Euro des Grundgehalts absichern, 35% des Gehalts sollen flexibilisiert werden (Gehaltsunsicherheiten bsi zu 16.000.- Euro im Jahr wären die Folge)
  • An Beschäftigungssicherung bieten sie an, die Öffnungsklausel zur 31-Stunden Woche zu verlängern und materiell zu verbessern.
  • Im Rahmen des Rationalisierungsschutzabkommens sind sie eventuell auch bereit den Vorruhestand und die Altersteilzeit ein weiteres Jahr zu verlängern.
  • Nur wenn die Gewerkschaft dem Ansinnen auf die Einführung von Provisionssystemen nachkommt wollen die Arbeitgeber überhaupt ein Gehaltsangebot machen.

Die Verhandlungskommission hat diese Haltung scharf kritisiert, denn den berechtigten Forderungen der Bankbeschäftigten wird sie in keiner Weise gerecht. Die aktuelle Krise in der Bankenlandschaft ist in hohem Maße selbst verschuldet und soll jetzt auf dem Rücken der Belegschaften gelöst werden. Wir sehen uns einem Paket von ständigem Personalabbau, Rationanlisierungen, Gehaltskürzungen, Verschlechterungen in der Altersvorsorge, Abbau von Sozialleistungen gegenüber das jedes Augenmaß vermissen läßt. So kann es aus unserer Sicht nicht weitergehen, jetzt sind die Beschäftigten dran.

Verdi wird die Voraussetzungen schaffen, dass alle von den Maßnahmen betroffenen Kolleginnen und Kollegen ihrem Unmut entsprechend Gehör verschaffen können. Die Friedenspflicht zum Gehaltstarifvertrag ist seit fast einem Monat vorbei, jetzt muss und kann ver.di handeln.

Ich denke, die Zeichen stehen auf Streik

 nach oben

Berlin, 25. April 2002/ 1. Tarifverhandlungsrunde Banken

In den Räumen des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes fand die erste Verhandlungsrunde im Tarifstreit im Bankgewerbe statt. Die Standpunkte von Arbeitgebern und Gewerkschaften hätten nicht weiter auseinander liegen können. Während Hinrich Feddersen für verdi die Forderungen nach Gehaltserhöhungen und einem Paket zur Beschäftigungssicherung noch einmal wiederholte und begründete, wurden diese von den Arbeitgebern umgehend zurückgewiesen. Als Argument musste die strukturelle Krise im Bankgewerbe, die aufs engste mit der momentanen katastrophalen Situation in der gesamten Wirtschaft verknüpft sei, erneut herhalten. Nachdem die Atmosphäre anfänglich noch durchaus als freundlich war verschärfte sich die Stimmung doch zusehends. Es ist nunmehr nicht neues mehr, dass die Forderungen der Gewerkschaften mit massiven Gegenforderungen der Arbeitgeber beantwortet werden. Neben dem Ansinnen, die Probephase für die Samstagsarbeit nunmehr zu beenden und im Tarifvertrag die reguläre Samstagsarbeit festzuschreiben, stand vor allen Dingen der Versuch für die Vertriebsmitarbeiter zu grundsätzlich anderen Arbeitszeit- und Vergütungssystemen zu kommen. Dies soll zwar über “freiwillige” Betriebsvereinbarungen realisiert werden, Tatsache bleibt, dass die Tarifparteien dafür die Regelungen des Tarifvertrages in einer Öffnungsklausel gänzlich freigeben sollen. Zur geforderten Gehaltserhöhung drückten sie nur Missfallen und Unverständnis aus. Die Marschrichtung ist dabei klar: schon die 3,3% der Chemieindustrie sind den Bankarbeitgebern viel zu hoch, eine Forderung über 6% kann aus ihrer Sicht nur von Wahnsinnigen aufgestellt werden. Auch unsere Forderungen zur Beschäftigungssicherung werden von den Arbeitgebern hartnäckig abgelehnt. Sie kennen nur ein Rezept zur Beschäftigungssicherung: Absenkung von Kosten (Gehältern, insbesondere der am schlechtesten Verdienenden), Deregulierung in allen Bereichen. Nach meinem Verständnis: Arbeitsplatzsicherung durch Personalabbau und Wiedereinführung frühkapitalistischer Herrschaftsmodelle. Es wurde ein weiteres Expertengespräch zur Vergütungsreform vereinbart, um eventuelle Lösungen zur Vergütung der Kollegen im Vertrieb zu finden. Dies scheint aber ziemlich schwierig zu sein. Nach meiner Überzeugung sind jetzt die Kolleginnen und Kollegen selbst gefragt, was sie von der systematischen Aushöhlung und Entwertung des Tarifvertrages halten. Wir sollten die Zeit bis zum 29. Mai 2002 nutzen um in den Betrieben die intensive Diskussion um unsere Forderungen und die Mittel zu ihrer Durchsetzung zu führen.

Forderungen der verdi-Tarifkommission zur Tarifrunde 2002 im Bankgewerbe

  • Nennenswerte Gehaltssteigerungen zum Ausgleich der Inflationsrate und zum Ausgleich der gestiegenen Produktivität!
  • Ein umfangreiches Paket zur Beschäftigungssicherung mit Verbesserung von Vorruhestand und Altersteilzeit, verbesserten Teilzeitmöglichkeiten, Qualifizierungsprogramme und einer stufenweise Verkürzung der Wochenarbeitszeit.

Die Forderungen werden im Volumen mit 6,5% beziffert

nach oben

[Home] [Links] [Recht + Forum] [Neuigkeiten] [Betriebsrat] [Gewerkschaft] [Freizeit] [Projekte] [Gästebuch]